Kurzübersicht:

In dieser Rubrik erhalten Sie Tipps rund um das Optimieren Ihres Fahrwerks. Natürlich gehen wir auch auf die Wirkungsweise der externen Einsteller (Klicker) ein, darüber hinaus Durchleuchten wir aber auch eine Reihe anderer Faktoren, die Einfluss auf das Fahrwerk haben.

Als Fahrer sollten Sie diese Rubrik als "To Do-Liste" zur Optimierung Ihres Fahrwerks sehen!
Viel Spaß beim Lesen und Erfolg beim selbst ausprobieren.

Inhaltsverzeichnis

1. Montage Vorderrad - Verspannungen lösen

2. Druck in der Außenkammer

3. kaputte Lager am Chassis des Bikes

4. Chassis Balance - Rahmengeometrie - Durchhang

5. Reifensetup

6. verschlissene/schlechte/nicht geschmierte Dichtringe

7. verschlissene Gleit-/Führungsbuchsen

8. verschlissenes Öl

9. externe Einsteller nicht optimal eingestellt

10. Shimsetup nicht passend für den Fahrer

1. Montage Vorderrad – Verspannungen lösen

Damit die Gabel gleichmäßig und mit minimaler Reibung arbeiten kann, muss sie perfekt ausgerichtet sein. Die gesamte Front des Motorrads, also die Gabelholme, die Gabelbrücke und die Gabelfüße müssen ohne Verspannungen montiert sein, damit die Gabel so frei wie möglich arbeiten kann. Ist das nicht gegeben, verwinden sich die Holme beim Eintauchen, was zu hakeliger Gabelbewegung, erhöhter Reibung und mehr Verschleiß führt.
Auch ein Sturz/Umfaller kann die Gabel verspannen und damit die Performance einschränken.

Um sicherzustellen, dass deine Gabel frei arbeiten kann, gehe nach folgender Anleitung vor:

- Stelle dein Bike auf einen Montageständer

- Montiere die Gabelholme auf gleicher Höhe in den Gabelbrücken

- Ziehe die Schrauben der unteren Gabelbrücke mit dem festgeschriebenen Drehmoment an (siehe Betriebsanleitung/meist ca. 12-15 Nm)

- Säubere die Klemmflächen der Gabelfüße, damit die leicht gefettete Radachse später montiert werden kann

- Montiere das Vorderrad

- Ziehe eine Schraube des nichtbremsseitigen Gabelholms (zumeist der rechte in Fahrtrichtung) an und montiere die Achsmutter mit dem vorgeschriebenen Drehmoment.

- Ziehe die Schrauben des bremsseitigen Gabelholms mit dem vorgeschriebenen Drehmoment fest

- Löse nun die nichtbremsseitige Schraube am Gabelfuß

- Du kannst nun durch etwas Kraftaufwand den Gabelfuß auf der Achse hin und her schieben. Sollte deine Achse einen Grat aufweisen (z.B. weil ein Honk die Achse mit einem Hammer montiert hat), ist dieser vorher zu entfernen).

- Nimm das Motorrad nun vom Ständer und federe es mehrere Male so weit du kannst ein. Dazu kann die Vorderradbremse zur Hilfe genommen werden. Durch das Einfedern richtet sich die Gabel automatisch in der Gabelbrücke aus und der nichtbremsseitige Gabeholm richtet sich parallel zum bremsseitigen.

- Stell das Bike wieder auf den Ständer

- Ziehe die Schrauben der oberen Gabelbrücke und des nichtbremsseitigen Gabelfußes  mit dem vorgeschriebenen Drehmoment fest.

 

Wenn du alle Schritte richtig befolgt hast, ist deine Gabel jetzt perfekt ausgerichtet!

2. Druck in der Außenkammer

(Dieser Punkt gilt nicht für Luftgabeln 😉 )

Jede Teleskopgabel hat grundsätzlich zwei Federelemente. Die eine ist offensichtlich die Stahlfeder; die andere ist Luftfederkomponente. Richtig, auch Stahlfedergabeln arbeiten in gewisser Weise mit Luftunterstützung. Würde man eine Gabel randvoll mit Öl füllen, könnte man sie nicht mehr zusammendrücken, weil sich Flüssigkeiten bekanntlich nur minimal bis gar nicht komprimieren lassen.
Je nach Größe der sogenannten Luftkammer wird die Kennlinie der Luftfederkomponente einer Gabel verändert. Die Hersteller nennen in den Betriebsanleitungen die Standardluftkammer bzw. Ölmenge oder ein Tuner verwendet im Zuge einer Überarbeitung eine andere Ölmenge/Luftkammer, um das Setup an den Fahrer anzupassen.

Die Kennlinie dieser Feder verändert sich allerdings, wenn die Gabel im Betrieb Druck aufbaut, sie wird härter. Aus diesem Grund muss die Außenkammer von Stahlfedergabeln in regelmäßigen Abständen entlüftet werden.

Wie macht man das?
Bei den meisten Gabeln sind Entlüfterschrauben an den Gabelkappen angebracht, durch deren Öffnung man aufgebauten Druck in der Gabel ablassen kann. Dazu muss die Gabel aber ganz ausgefahren sein, da wir ansonsten beim Schließen der Entlüfterschrauben Unterdruck in der Gabel haben (z.B. wenn man auf dem Bike sitzt und die Schrauben löst).

Warum erhöht sich der Druck in der Gabel?
Gase denen sich aus, wenn sie erwärmt werden. Das gleiche passiert auch im Inneren der Gabel. Aus diesem Grund ist es sinnvoll die Gabel auch während eines Fahrtages regelmäßig zu entlüften.

Viele Fahrer setzen auf Schnellentlüfter. Wir empfehlen die OEM Schrauben. Schnellentlüfter können zu vers. Problemen führen, die mit den OEM Schrauben nicht auftauchen.

3. Kaputte Lager am Chassis des Bikes

Dein Fahrwerk ist gerade beim Service oder einer Abstimmung? Ein guter Zeitpunkt um die Lager am Chassis deines Bikes zu warten!

Die reibungsfreie Bewegung deiner Lager am Chassis sind eine Grundvoraussetzung für die Performance deines Fahrwerks. Schwergängige oder gar verrostete Lager verschlechtern die Arbeit deiner Gabel und deines Stoßdämpfers enorm! Selbst das beste Fahrwerk kann nicht richtig funktionieren, wenn die Lager in schlechtem Zustand sind.

Du solltest also folgende Lager regelmäßig zerlegen, reinigen und fetten:

- Umlenkungslager
- Stoßdämpferlager
- Schwingenlager
- Lenkkopflager
- Radlager

Bei käfiglosen Lagern kann man die Nadeln aus dem Lager entfernen und mit frischem Fett neu einsetzen. Die anderen Lager sollten z.B. mit Bremsenreiniger von alten Fettresten und Abrieb befreit werden und ebenfalls neu gefettet werden. Überprüfe unbedingt auch den Zustand der Dichtringe.
Sind die Lager stark angerostet oder fest sind diese zu ersetzen. (gilt für Schwingen-, Umlenk- und Lenkkopflager)

Zudem solltest du die Radlager an Vorder- und Hinterrad regelmäßig auf Spiel überprüfen und gegeben Falls ersetzen.

Reparaturkits für alle gängigen Modelle kannst du über FLOW Suspension beziehen.

 

4. Chassis Balance – Rahmengeometrie - Durchhang

Der wohl am meisten unterschätzte externe Einsteller an deinem Bike ist der Vorspannungseinsteller am Federbein. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass man diesen Einsteller als Höhenversteller des Hecks zum tiefer- oder höherlegen desselbigen benutzt. Richtig ist zwar, dass sich die Höhe des Hecks mit einer Veränderung der Vorspannung in gewisser Weise ändert, allerdings sind die Auswirkungen weitreichender.

Spannen wir die Feder am Heck weiter vor, verringern wir den Durchhang. Analog dazu wird der Durchhang größer, wenn wir Vorspannung aus der Feder rausnehmen. Wie bereits geklärt, ändert das die Höhe des Hecks. Das hat wiederrum zur Folge, dass die Gewichtsverteilung zwischen Heck und Front geändert wird. Wird die Vorspannung erhöht, wird mehr Gewicht zur Front übertragen. Wird die Vorspannung verringert, wird weniger Gewicht zur Front übertragen.

Setzen/Stellen wir nun einen Fahrer auf das Bike, wird das ganze komplizierter:
Fahrergröße, Fahrstil und Gewicht des Fahrers sind nun weitere Variablen, die Einfluss auf die Balance des Bikes haben. Die Balance des Bikes hat einen sehr großen Effekt auf das Kurvenverhalten, den Geradeauslauf und das allgemeine Gefühl, dass du von deinem Dämpfer und von deiner Gabel hast! Richtig gelesen, der Durchhang hat auch Einfluss auf die Performance der Gabel.

Oft hört man den Satz „Durchhang hab ich eingestellt; der passt“. Die meisten Fahrer meinen damit, dass sie den statischen (Einsinken des Dämpfers durch das Eigengewicht des Bikes) und dynamischen (Einsinken des Bikes mit dem Fahrer auf dem Bike) Durchhang nach den Angaben aus dem Handbuch eingestellt haben. Damit haben sie zwar schon einen sehr wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber das Potential dieses Einstellers noch nicht ausgeschöpft. Hier ist eine kleine Testreihe erforderlich:

  1. Stell den statischen Durchhang auf den im Handbuch angegeben Wert oder einen Mittelwert aus dem angegebenen Intervall ein, z.B. 33mm oder 25-35 mm --> 30 mm.
  2. Fahre eine Testeinheit mit dieser Einstellung.
  3. Erhöhe nun die Vorspannung um 2 Umdrehungen. Du fährst jetzt weniger Durchhang als vorher. Teste die Einstellung und vergleiche wie sie zur ersten Testeinheit.
  4. Verringere jetzt die Vorspannung um 4 Umdrehungen, damit bist du bei 2 Umdrehungen weniger als beim ersten Test. Fahre auch hier wieder deine Testeinheit und entscheide welche der drei Tests das beste Gefühl gegeben haben. Du wirst überrascht sein wie groß sich die 3 Tests unterscheiden.

 

Es mag etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber diese Zeit ist gut angelegt.

 

5. Reifensetup

Sicher hast du dir schon öfters Gedanken über die „besten“ Reifen gemacht und mit anderen Fahrern Erfahrungen dazu ausgetauscht. Aber war dir bisher auch bewusst, dass das Reifensetup Einfluss auf dein Fahrwerk hat?

Reifengröße, Gummimischung/Karkasse, Profildesign und Reifendruck sind Parameter, die das Verhalten unserer Fahrwerke beeinflussen. Während wir die ersten 3 Parameter nur durch probieren verschiedener Reifen testen können, ist das Testen von vers. Reifendruckwerten sehr einfach möglich.

Die Reifen wirken wie ein zusätzliches Federmedium. Je nach Luftdruck verändern wir die Härte dieses zusätzlichen "Dämpfers". Wie auch beim Fahrwerk heißt das, dass wir vers. Drücke für vers. Einsatzzwecke benutzen sollten. Allerdings spielt dabei auch die grundsätzliche Härte des Reifens eine Rolle, die durch die Gummimischung und vor allem durch die Karkasse des Reifens definiert wird.
Während wir im MX-Bereich Reifendrücke bei ca. 1 Bar fahren, kann im Extrem-Enduro-Einsatz auch ein Reifendruck von bis zu 0 Bar vorteilhaft sein.

Verlässliche Empfehlungen abzugeben ist auf Grund der Unterschiedlichkeit der verfügbaren Reifen nur sehr schwer möglich.
Ganz grundsätzlich kann man sagen:
- MX: 1 Bar +-0,1 Bar
- Enduro: 0,7 Bar +- 0,1 Bar

Je nach Boden und Einsatzzweck können Abweichungen nötig sein.

Nimm dir die Zeit und teste vers. Reifendrücke auf der Strecke, um den Einfluss auf das Fahrverhalten deines Bikes zu verstehen und finde so den perfekten Reifendruck für dich heraus!

Es ist zu raten den Reifendruck vor jeder Fahrt zu überprüfen!

 

6. verschlissene/schlechte/nicht geschmierte Dichtringe

Gummi auf Chrom gleitet ohne Schmierung nur sehr schwer, was sich in schlechtem Ansprechverhalten durch erhöhte Reibung im Betrieb zeigt.
Du willst das vermeiden?

Bei einem Service bei FLOW Suspension werden ausschließlich hochwertige Simmerringe von NOK oder SKF verbaut. Diese Dichtringe sind aus einem speziellen Material gefertigt, das selbstschmierende Eigenschaften mitbringt. Damit wird die Gleit- und Haftreibung bedeutend reduziert. SKF Dichtkits kosten etwas mehr als andere Zubehördichtkits; allerdings ist dieser Mehrpreis mehr als gerechtfertigt und zahlt sich im laufenden Betrieb aus. Außerdem erhält eine Gabel bei einem Service bei FLOW Suspension eine kreuzschliffähnliche Struktur auf die Gleitfläche der Innenrohre. Diese Struktur hält einen schmierenden Ölfilm auf dem Rohr, wodurch sauberes Ansprechen gewährleistet wird.

Wenn du schon SKF Simmerringe in deiner Gabel verbaut hast, kannst du mit ein paar einfachen Handgriffen die Reibung deiner Gabel so gering wie möglich halten:

- Demontiere die Staubkappe mit Hilfe eines kleinen, scharfen Schlitzschraubenziehers und schiebe die Staubkappe ein paar Zentimeter nach unten

- Säubere die Staubkappe und den Raum zwischen Außenrohre und Innenrohre mit einem Lappen. Bei starken Verschmutzungen kannst du auch Bremsenreiniger benutzen. Abzuraten ist vom Einsatz von Druckluft. Damit besteht die Gefahr, dass du den Dreck weiter in die Simmerringe bläst, was diese undicht werden lässt.

- Gib eine kleine Menge Gabelöl auf das Innenrohr zwischen Simmerring und Staubkappe und verteile es auf dem ganzen Umfang des Innenrohrs.

- Montiere die Staubkappen wieder im Außenrohr.

- Wische das ganze Innenrohr mit einem leicht ölfeuchten Lappen ab.

Wiederhole diese Prozedur regelmäßig nach dem Waschen und nach Schlammfahrten.